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 Politische Satire 
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Beitrag Politische Satire
Zitat:
Nimm dies, Satan!

Wir sehen sie ständig im Fernsehen und fragen uns: Wer sind sie? Wie viele sind es? Wo werden sie ausgebildet? Erstmals berichtet hier ein Insider über die Terrorexperten

Dieser Text ist unter äußersten Gefahren an Leib, Geist und Leben entstanden, und er hat den Freitag auf geheimen Wegen erreicht. Er ist nach dem Lesen sofort zu vernichten. Was der Text enthält, kann man nicht genau sagen. Viele Experten, selbst der Autor selbst, vermuten, dass er neben seinem scheinbaren Inhalt auch versteckte Botschaften an versteckte Terrorexperten enthält.

Einige Namen kennt man: Ulfkotte, Tamm, Theveßen... Aber sie bilden nur die Spitze des Eisbergs. Wie viele Terrorexperten sich in Deutschland noch unentdeckt aufhalten, ist dabei nahezu unbekannt. Seriöse Schätzungen gehen von Tausenden aus. Unseriöse auch. Nimmt man hiervon einen Mittelwert und verständigt sich auf Deeskalation der medialen Informationslage, so ist immer noch von zirka drei Dutzend Terrorexperten auszugehen – Tendenz steigend. Denn, um es ganz klar zu sagen: Dieser Text ist in einem Terrorexperten-Ausbildungscamp entstanden, also vielleicht in der Wohnung über Ihnen, wo es immer so komische Geräusche macht. Skrupellose Informationsbearbeiter aus dem gesamten Bundesgebiet sind hier von einer Art geheimnisvollem Netzwerk zusammengezogen worden. Ehrlich!

Das Ziel der Auszubildenden: Krawatten tragen. Talkshows mit Wortgewalt erstürmen. Interviewplätze kapern. Oder auch mal für die Bild-Zeitung Terrorvideos analysieren ("Eine Drohbotschaft ohne Kalaschnikow ist undenkbar"). Das Training ist beinhart. Tagelang wird an Warnungen und Beobachtungen und an der richtigen Betonung gefeilt. "Die Gefahrenlage ist nach wie vor hoch", murmelt manch einer noch im Schlaf, während er sich unruhig auf dem kargen Feldbett wälzt, und mantrisch antwortet die Nachtwache: "Entwarnung kann nicht gegeben werden".

Wer gar nicht schlafen kann, schaut im Nebenzimmer Aufzeichnungen älterer Terrorexperten-Talkrunden an. Oder liest im eigenen Buch. Oder gründet schnell noch ein Terrorinstitut mit richtigem Briefkasten außen am Haus dran. Huh - wenn da jetzt einer eine Bombe reinwirft! Ein Terrorist vielleicht! Oder die Nachbarn. Oder wenn da Bewerbungen kommen! Von jungen, schreibfähigen Männern, zu jeder medialen Schandtat bereit. Dann wird das Terrorexpertennetzwerk wieder weiter anwachsen, niemand kann diese Leute stoppen.

Niemand hält einen Terrorexperten auf, der ein Buch draußen hat. Und niemand, der den Terror im Fernsehen gesehen hat, kann sich seiner morbiden Faszination entziehen: "New York, Madrid, London - könnte es nicht sein, dass Bünde in Westfalen der nächste Schauplatz furchtbarer Anschläge wird?" Rufe ich versehentlich in tadelloser Diktion aus. Im Schlaf murmeln die Auszubildenden "Kann nicht ausgeschlossen werden! Kann nicht ausgeschlossen werden! Kann nicht ausgeschlossen werden!" Aber ich muss Schluss machen. Eine Zeitung will einen Text. Mit frischem Terror drin. Nimm dies, Satan!


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Di 29. Sep 2009, 15:40
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Beitrag Re: Politische Satire
Zitat:
Hallelujah!

Man stelle sich einmal vor, die Polizei würde den schwer angetrunken Papst am Steuer eines profanen Automobils anhalten. In Hannover! Unvorstellbar! Nirgendwo sonst wird der Unterschied zwischen den beiden großen christlichen Kirchen offenbarer, als bei der Affäre um die zurückgetretene EKD-Vorsitzende Bischöfin Margot Käßmann. Auf der einen Seite der unfehlbare Papst – ein greiser Mann, Bayer, konservativ, moralisch unantastbar. Auf der anderen Seite die Bischöfin – Frau, progressiv, geschieden, moralisch angreifbar. Wenn es einen Gott nach dem Bild der Christen geben sollte und er Sinn für Humor hat, so würde er sich sicherlich himmlich amüsieren. Ein alter Mann in Rom, der den Fels gibt, auf dem die Christen ihre Kirche aufbauten und von sich behauptet, er sei Gottes Stellvertreter auf Erden, und eine Frau, die Wasser predigt, Wein trinkt und nun – da ihre Verfehlungen ans Licht der Öffentlichkeit kamen – sogar zurücktritt. Welch göttliches Spektakel!

Rücktritt – für einen Papst ist alleine der Gedanke an einen solchen Schritt pure Blasphemie. Päpste treten nicht zurück, sie fahren allerdings auch nicht betrunken Auto. Fahren Päpste überhaupt Auto? Für solch weltliche Nebensächlichkeiten haben die Männer in Weiß doch normalerweise ganze Heerscharen devoter Diener. So ein Papst hat auch eine ganze Armee junger Schweizer Hellebardiere, die ihn in allen Lebenslagen behüten und beschützen. Selbst wenn der Papst sich – vom Messwein angeheitert – an das Steuer seines Papamobils setzen würde, käme kein Schupo auch nur in die Nähe des Heiligen Vaters. So gut hat es Bischöfin Käßmann nicht. Sie hat weder ein Käsomobil noch einen Fahrer – geschweige denn eine Schweizer Garde, die sie vor den Unwägbarkeiten des Lebens beschützt. Die protestantische Theologin wird so Opfer ihrer eigenen Progressivität. Sie stürzt über eine unangenehme Sache, die einem „echten“ christlichen Würdenträger so nie passieren könnte.

Katholiken haben es besser!

Katholiken sind authentischer als Protestanten. So stellt man sich als Agnostiker auch einen echten kirchlichen Würdenträger vor – eingehüllt in edles, wallendes Tuch, beringt mit güldenen Kostbarkeiten, den leiblichen Genüssen nicht abgeneigt und lebensfroh. Luthers Kinder haben mit diesen Stereotypen freilich nichts zu tun. Sie sind in schlichtes Schwarz gekleidet, frei von irdischen Preziosen – spartanisch auch im Geiste, den Freuden des Lebens abgeneigt. Wer es noch nicht weiß – der Katholizismus ist Religion light, modern, mit der garantierten Instant-Glückseligkeit. Ein Katholik darf sündigen, bis die Schwarte kracht – nun gut, er darf das streng genommen zwar nicht, aber mit der nächsten Beichte ist eh jede Sünde vergeben. Wem der Weg in die Kirche zu weit ist, für den richtet der Papst zweimal im Jahr eine TV-Generalabsolution aus – man muss nur das Urbi et Orbi im Fernsehen betrachten und schon sind einem alle Sünden vergeben und man hat eine reine Seele wie ein Neugeborenes. Neugeborene kommen übrigens seit zwei Jahren auch bei den Katholiken in den Himmel – der deutsche Papst hat nämlich kurzerhand die Vorhölle abgeschafft.

Davon sollten sich die Protestanten ein Stück abschneiden. Kann ein protestantischer Bischof überhaupt die Vorhölle abschaffen? Wahrscheinlich nicht, das ist nun einmal der Nachteil, wenn man dem Papst den Rücken kehrt. Die Katholiken schaffen mir nix dir nix die Vorhölle ab und die armen Protestanten müssen ihr ganzes Leben lang gottesfürchtig und sündenfrei leben – für Katholiken ein Ding der Unmöglichkeit, schlimmer noch als die nicht mehr existierende Vorhölle.

Selbst schuld!

Margot Käßmann ist so Opfer ihres eigenen Glaubens geworden. Von einem Katholiken erwartet niemand, dass er sündenfrei bleibt. Welch wahnwitzige Vorstellung, wofür haben denn die Katholiken die Beichte erfunden – ein echter PR-Schlager. Protestanten haben aber einen hohen Anspruch an andere Protestanten und vor allem an sich selbst. Während ein Katholik seine Sünden wegbeichten kann, muss so ein echter Protestant mit ihnen bis zum Ende seines Lebens – und aus theologischer Sicht sogar weitaus länger – hadern. Ein Rücktritt, so unverständlich er einigen erscheinen mag, ist da nur konsequent. Wären die Protestanten ein wenig katholischer, hätte die Bischöfin ihre Sünde beichten können und alles wäre Friede, Freude, Eierkuchen. Nun gut, wären die Protestanten etwas katholischer, wäre Frau Käßmann bestenfalls Laienpredigerin und nicht geschieden. Ihr männliches, ungeschiedenes – da zölibatäres – Pendant, wäre – wenn er denn keine Fahrer hätte – aber sicherlich mit einer Verwarnung davongekommen. Trunkenheit am Steuer ist bei Katholiken nämlich ein Bagatelldelikt, da haben katholische Kleriker ganz andere Sünden auf dem Kerbholz. Aber darüber spricht man in der katholischen Kirche nicht öffentlich, sündige Hirten kriegen stattdessen eine neue Schafherde zugewiesen – je unangenehmer die Sünde, desto weiter weg die neue Herde. Wer wirklich sündige Menschen sucht, der sollte sich einmal katholische Pfarreien auf Feuerland ansehen – Halleluja!

Darf eine Bischöfin betrunken Auto fahren? Welch dumme Frage! Darf ein König an der Ladenkasse Zigaretten klauen? Darf der Bundespräsident mit dem Schlüssel von Schloss Bellevue nächtens den Lack von Luxuslimousinen zerkratzen? Darf die Kanzlerin eine Kneipenschlägerei anzetteln? Natürlich darf auch eine Bischöfin nicht betrunken Auto fahren. Aber muss sie deshalb gleich zurücktreten? Natürlich muss sie nicht, sie sollte es aber, will sie sich nicht selbst unglaubwürdig machen. Man kann nun einmal nicht Wasser predigen und Wein trinken. Es wäre erfreulich, wenn andere Persönlichkeiten genauso konsequent auf eigene Fehler reagieren würden. Putzig wirkt es da, wenn berufsaufgeregte Publizistinnen wie Alice Schwarzer aus der Affäre der betrunkenen Bischöfin ein Exempel im Kampf des Feminismus machen wollen. Nein, Frau Schwarzer, wenn Frauen schon Bischöfin werden wollen, dann müssen sie auch mit den moralischen Anforderungen an diesen Beruf zurecht kommen. Das ist Gleichberechtigung – eine Frau soll ruhig Bischöfin werden dürfen, sich scheiden lassen und saufen, bis die Leber schwillt. Nur sollte sie dann allerdings auch genauso gnadenlos der hungrigen Meute zum Fraß vorgeworfen werden, wenn sie einen derart dämlichen Fehler begeht. Wer das nicht will, soll Katholik oder Feminist werden.


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Fr 26. Feb 2010, 22:30
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Beitrag Re: Politische Satire
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Le noir, ce mot désigne depuis une époque lointaine le nom du destin.
Les deux vierges règnent sur la mort.
Les mains noires protègent la paix des nouveaux-nés.


"The real voyage of discovery consists not in seeking new landscapes but in having new eyes" - Marcel Proust


Sa 26. Jun 2010, 10:21
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